Cocktail Cup 2026 aus australischer Perspektive
Ollie Schwarz fuhr beim Cocktail Cup mit und berichtet uns.
Mein Name ist Ollie Schwarz, ich bin 19 Jahre alt und lebe bis November in Berlin, nachdem ich letztes Jahr die Schule abgeschlossen habe. Während meines Aufenthalts in Deutschland segle ich beim Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW). Zu Hause in Australien segle ich beim Sorrento Sailing Couta Boat Club (SSCBC) bei Melbourne, hauptsächlich in den Klassen WASZP und Laser/ILCA.
Der Cocktail Cup 2026 war meine erste richtige Regatta auf einem H-Boot in Berlin, und es war eine ganz andere Erfahrung als alles, was ich von zu Hause in Australien gewohnt bin. Ein neues Boot, ein neuer See, ein neues Team und ganz andere Bedingungen sorgten für ein Wochenende, an dem es viel zu lernen gab – und für einige Momente, in denen ich mich fragte, warum ich jemals gedacht hatte, das würde einfach werden.
Das H-Boot war für mich völlig neu, da ich aus dem WASZP- und Laser-Umfeld komme. Mich mit dem Boot vertraut zu machen, war also die erste Herausforderung. Ich segelte den Spinnaker, was die Lernkurve noch steiler machte, da ich zuvor noch nie einen symmetrischen Spinnaker benutzt hatte. Einige frühere Erfahrungen auf dem 29er und dee J70 halfen mir zwar, doch es stellte sich heraus, dass es zwei etwas verschiedene Dinge sind, zu wissen, was ein symmetrischer Spinnaker eigentlich leisten soll, und ihn dann tatsächlich dazu zu bringen, dies auch zu tun.
Die Unterstützung meiner Teamkollegen machte einen riesigen Unterschied. Beide waren bereit, Dinge mit mir durchzusprechen, mir zu erklären, was ich falsch machte – meist ohne allzu sehr zu lachen – und mich weiter anzuspornen, auch wenn ein Manöver nicht ganz nach Plan verlief. Das machte die ganze Erfahrung viel einfacher und um einiges angenehmer.
Der Tegeler See war wahrscheinlich die größte Umstellung. Da ich aus Melbourne komme, bin ich es gewohnt, viel mehr offenes Wasser zur Verfügung zu haben und den Wind schon aus größerer Entfernung einschätzen zu können. Auf diesem See schien der Wind aber ein Eigenleben zu führen. Winddreher, Druckunterschiede und Windlöcher tauchten plötzlich auf, und die umliegende Landschaft machte es schwierig, vorherzusagen, was als Nächstes kommen würde. Man konnte die Regattastrecke im Blick haben, sich davon überzeugen, die richtige Seite gewählt zu haben – nur um dann zu erleben, wie der Wind wenige Minuten später komplett umschlug und sich sechs Boote durchschlängelten. Es ging weniger darum, den Wind vorherzusagen, als vielmehr darum, mit ihm auf gutem Fuß zu bleiben.
Der starke Wind machte die Sache besonders interessant. Als relativ leichte Crew in einem H-Boot haben wir die Bedingungen deutlich zu spüren bekommen. Das Boot aufrecht zu halten und anzutreiben, ohne übermächtigt zu werden, war ein ständiger Kampf. Von leichteren Booten kommend war der Energieaufwand, der nötig war, um ein H-Boot über die Regattastrecke zu bringen, eine neue Erfahrung.
Vor dem Wind war es besonders aufregend, den Spi in der stärkeren Brise zu setzen. Es gab Momente, in denen sich das Boot unglaublich schnell anfühlte, und andere, in denen es vorrangig darum ging, alles unter Kontrolle zu halten. Es war eine gute Erinnerung, dass es beim Regattasegeln nicht immer darum geht, mehr Segelfläche zu setzen – manchmal geht es darum, zu wissen, wann man Gas geben kann und wann man das Boot vor allem unter Kontrolle halten muss.
Einer der coolsten Aspekte der Regatta war direkt in eine Flotte geworfen zu werden, in der viele Segler über jahrelange Erfahrung in dieser Klasse und auf dem See verfügten. Die Einheimischen kannten offensichtlich die Tricks des Tegeler Sees, insbesondere wenn es darum ging, stärkeren Wind zu finden und Winddreher vorauszusehen. Für mich war jedes Rennen eine weitere Gelegenheit, herauszufinden, was sie bereits instinktiv zu wissen schienen. Es war auch eine gute Möglichkeit zu lernen – obwohl es eine besonders effektive Lehrmethode ist, wenn man zusehen muss, wie jemand auf der richtigen Seite eines Winddrehers an einem vorbeisegelt.
Aus australischer Sicht war es ein völlig anderer Rennstil. Der See verlangte viel mehr Aufmerksamkeit für die kleinen Details, während das H-Boot gute Kommunikation und konsequentes Bootshandling belohnte. Mit einem neuen Boot und einer leichten Crew hatten wir es unter den stärkeren Bedingungen nicht immer leicht, aber wir haben uns im Laufe der Regatta verbessert und enorm viel gelernt.
Vor allem aber war der Cocktail Cup ein großartiger Einstieg in den H-Boot-Regattasport in Deutschland.
Ein neues Boot zu segeln, erstmals einen symmetrischen Spi zu setzen, einen kniffligen See kennenzulernen und mit einem Team zu segeln, das mich wirklich unterstützt hat – all das machte es zu einem unvergesslichen Wochenende. Die Bedingungen haben vielleicht nicht ganz unseren Stärken entsprochen, aber sie gaben uns viel, woran wir arbeiten können, viele Geschichten zum Mitnehmen und viele Gründe, schneller wiederzukommen – am besten mit noch aufgezogenem Spinnaker. Ollie Schwarz
P.S.: Der Cocktail Cup fand in diesem Jahr erstmals statt und zwar auf dem Tegeler See am Wochenende unmittelbar vor der dortigen IDM. Der Cocktail Cup löst beim TSC für die H-Boote den Kurt-Weck-Preis ab. Entsprechend des Namen der neuen Regatta darf das siegreiche Team den Cocktail auswählen, der im Folgejahr beim Cup angeboten wird. Gestartet wurde jetzt von Seiten der Veranstalter mit Mojito, das nach fünf Wettfahrten siegreiche Team Lars-Oliver Melzer (Segel-Club Spandau), Tabea Rasche und Thilo Torlach (beide Edertaler Segel-Verein) auf GER 1737 haben für nächstes Jahr Piña Colada gewählt. Zweitplatzierte in der Flotte der 17 teilnehmenden Teams waren Martin Köhle, Eberhard Peterke und Michael Brauc (alle Segel-Club Oberspree) auf GER 1330, dritte wurden Andreas Krause, Ansgar Schönbom und Ollie Schwarz (alle VSaW) auf GER 1685. Der nächste Cocktail Cup findet am 10./11. Juli 2027 statt. Sven Hansen