Jo Schmidt - GER 1610 "CIAO"
Anlässlich seines unerwarteten Todes am 26. September 2026. Drei Wochen zuvor nahm er noch erfolgreich an der IDM teil.
Ich bin mit Jo 27 Jahre lang gesegelt. Keine Vorbereitung von uns. Einfach lossegeln. Mit Jo war es immer das Rundum-Sorglos Paket. Er hat sich um Alles gekümmert. Blindes Verständnis und Vertrauen. Und dann diese unglaubliche Ruhe an Bord. Der Skipper hat Alles im Griff. Er weiß Bescheid.
Jo kam über seine Frau Tine zum Segeln. 1976 startete mit Sportbootführerschein und Eintritt in den Segler-Club Oberspree mit einer Jolle seine Segellaufbahn. 1986 traten beide in den Berliner Yacht-Club mit Ihrem neuen Finn ein. Schnell wird auf die erste Ciao mit Segelnummer GER 1086 umgestiegen. Hahn, Swobi und Gaedke assistierten. Im neuen Jahrtausend wird von Kausen die neue Ciao, GER 1610 erworben.
Als „Schotten“ fahren u.a. seine Frau Tine, die Kinder Katharina und Robert, Thomas Hänska, Frank Schmidt, Rolf Schlegel, Johannes Becker, Dieter Ratzel, Andreas Kirschning, Thorsten Jablonski.
Mit der neuen Ciao fordern die gesegelten Regatten immer mehr Raum: Kiel, Wannsee, Scharmützelsee, Rhein, Warnemünde, Gardasee, Bodensee, Travemünde, Tegeler See usw. Mittwochsregatten und Oskar-Gleier-Preis im BYC, Yardstick-Regatten auf Unterhavel und Wannsee wie Challenge Cup vom Amerikaner, Round-the-Island vom Briten und natürlich Ringelnatz vom Potsdamer. Klassenregatten wie Frühlingswettfahrten, Dr.-Günther-Sparr-Gedächtnispreis, Fawell Preis, Senatspreis, Rolling Home gehören zu den gesetzten Terminen im Jahr. Die Warnemünder Woche haben wir jahrelang als Familienfest gefeiert. Deutsche Meisterschaften wurden unter anderem in Warnemünde, Lindau, beim SV03, auf dem Scharmützelsee und beim TSC bestritten. Im Jahr 2015 durften wir in Malcesine auf dem Gardasee mit 70 anderen Booten um die Weltmeisterschaft bei höchsten Temperaturen fighten.
Viele 1. Plätze für die Jahreswertung der Mittwochsregatten. Bei mir stehen sieben großen BodyBären als Trophäen für die ersten drei Plätze. Erster Platz beim Fawell Preis 2023 im VSaW. Allein bei mir sind drei Pokale für den 1. Platz beim Ringelnatz Cup in der Mannschaftswertung aufgereit.
Diese Zeit mit ihm war unglaublich dicht. Teilweise bestand die Woche - wochenlang - aus drei RegattaTagen. Auf dem Kielschwein grundsätzlich die Flasche Portwein, die Schublade mit Knoppers und Hanuta beladen. Gute Laune gehörte genauso dazu wie der intensive Austausch über Gott und die Welt.
Jo hatte eine bemerkenswerte Ruhe. Nur in kritischen Situationen wurden an der Tonne klare Informationen gesendet. Niemals bösartig. Im letzten Jahr wurden wir zweimal ungewollt von anderen Booten „mitgenommen“. Kein Geschrei. Kein Nachtreten. Die Großschot nicht aufbekommen, hätte uns auch passieren können. Jo regelte das gemeinsam, leise, im Einverständnis. Jo stritt in Kiel nicht um die Reihenfolge beim Kranen. Er war einfach mit unserem Anhänger von den Salzwiesen unter dem Kran und der Kranführer tat den Rest. Ich weiß bis heute nicht, wie er das geschafft hat.
Jo war ein Gesellschafter. Er war gerne bei Veranstaltungen, lud zu sich ein, unterhielt sich gerne und nahm Menschen, wie mich, die zurückhaltender waren, unter seine Fittiche. Er war ein Familienmensch. Immer hilfsbereit.
Eines Abends, es war Wochenende, hatte ich Zahnschmerzen und ich bat ihn telefonisch um Rat. 30 Minuten später saß ich in seinem Auto. Er hatte mich abgeholt und wir fuhren in seine Praxis. Er schaltete die Geräte an und assistierte sich selbst beim Bohren und der neuen Füllung. „Jetzt piekt es ein wenig“. „Jetzt brummt es etwas.“ Viele werden diese Worte von Terminen innerhalb der Woche bei Ratzel/ Schmidt kennen. Sein Resümee war nur: „Bei so etwas sollte man nicht lange zögern.“ Herzlichen Dank lieber Jo.
Legendär sind seine Wettfahrtleitungen bei Mittwochsregatten im BYC mit Käse, Obst und Brot. Klare Ansagen. Klare Signale und eine schöne Up-and-Down Regatta. Jo verstand es, seine Schäfchen zu leiten. Ebenso seine Mittelmeer-Charter in der Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich, Kroatien.
Dann kam die IDM im TSC, die ihn sehr gefordert hat. Sehr viel Wind, mit 76 Jahren. Aber auch viel Spaß. Bei den Veranstaltungen blieb er zuhause, ruhte sich aus für den nächsten Tag. Am Sonntag, den 6. September fuhr er die Ciao auf dem Trailer noch selbst mit mir und meiner Tochter nach Hause in den Verein, weil die Spandauer Schleuse gesperrt war. Das ließ er sich nicht nehmen. 20 Tagen später gab Jo’s Körper den Kampf gegen die Krankheit auf und er schlief im Kreis seiner Familie ein.
In Anlehnung an den Club der toten Dichter steige ich auf meinen Schreibtisch und rufe ihm zu: Oh Captain, mein Captain. Voller Dankbarkeit und zur Ehre für dieses Leben.
Michael Müller