Ammersee-Finale bei hochsommerlichem Wetter – Lewerenz-Brüder siegen
Bericht von Christoph Quinger über das H-Boot Finale 2026 am Ammersee
Auf die vierte H-Boot-Regatta 2026 am Ammersee, das traditionelle Finale beim ASViM (Akademischer Segler-Verein in München), hatten sich alle gefreut. Die Wetterberichte prognostizierten für das Wochenende hochsommerliches, aber eher schwachwindiges Wetter. Für Samstag waren warme Temperaturen und ein Nordostwind mit kaum vier Knoten angesagt. Am Sonntag sollten zunächst Wolken einen morgendlichen Südwind verhindern, bevor im Tagesverlauf Westwind mit sechs bis acht Knoten einsetzen sollte.
Unter den 17 gemeldeten Booten gab es gleich mehrere Favoriten: Vorjahressieger Jörg Bleiholder vom DSC, sein Clubkamerad und Altmeister Peter Teschemacher, Niki Franke vom ASC sowie einige der starken HSC-Teams, die mit insgesamt neun Booten vertreten waren. Dazu kamen die Brüder Lewerenz vom MRSV, die vom Starnberger See an den Ammersee gereist waren. Mit Ulrich Schäfer vom MYC und der Familie Schweighöfer vom Segelclub Hersbruck waren zwei weitere externe Boote am Start. Auch der ASViM selbst schickte mit Moritz Quassowski und Klaus Schlockermann zwei Boote ins Rennen.
Der umsichtige Wettfahrtleiter Dr. Philip Wenzel hatte das erste Ankündigungssignal für Samstag um 11 Uhr vorgesehen. Zuvor gab es wie immer eine herzliche Begrüßung und das traditionelle Weißwurstessen.
Am Samstagmorgen zeigte sich am Ammersee zunächst noch ein schöner Südwind mit fast zehn Knoten. Doch erfahrungsgemäß verschwindet dieser gegen 9:30 bis 10 Uhr – und genauso kam es auch diesmal. Gegen Mittag schickte die Wettfahrtleitung die Segler dennoch aufs Wasser, in der Hoffnung, dass sich nach dem Südwind ein leichter Westwind entwickeln würde.
Nach gut einer Stunde Wartezeit in der Nähe des bereits ausgelegten Kurses folgte schließlich „AP über H“. Der Wind blieb vollständig aus und die Boote wurden zurück in den Hafen geschleppt. Um 16 Uhr glaubte niemand mehr daran, dass der Samstag noch segelbare Bedingungen bringen würde, und die Startbereitschaft wurde aufgehoben.
Mit Blick auf die bessere Windprognose für Sonntag blieb die Stimmung dennoch optimistisch. Bei T-Shirt-Wetter genossen die Segler am Abend ein hervorragendes Essen auf der Terrasse des nach dem Brand sehr schön renovierten ASViM-Clubhauses.
Für Sonntag waren am Morgen Wolken und anschließend ein zügig einsetzender West- bis Nordwestwind mit sechs bis acht Knoten vorhergesagt. Deshalb wurde das Auslaufen bereits für 9 Uhr angesetzt. Überraschenderweise wehte zunächst doch noch ein leichter Südwind, der beim Auslaufen allerdings bereits wieder nachließ. Viele Segler stellten sich deshalb auf eine längere Wartezeit ein.
Doch Wettfahrtleiter Philip Wenzel und die Segler wurden belohnt: Gegen 10 Uhr setzte der Südwind noch einmal ein und ermöglichte den ersten Start des Tages.
Die Herrschinger Teams rechneten mit einem bald folgenden Westdreher und entschieden sich überwiegend für die rechte Kursseite. Doch völlig entgegen den Erwartungen drehte der Wind nach Südost – damit lagen sie zunächst auf der falschen Seite. Auf der zweiten Kreuz ließ der Wind zudem stark nach, sodass die Wettfahrt mit Flagge S an der Luvtonne verkürzt und damit gerettet wurde.
Ausgerechnet während des Zieleinlaufs sprang der Wind von Südost auf West, wodurch die Reihenfolge bei einigen Booten noch einmal durcheinandergewirbelt wurde. In einem knappen Finish sicherten sich Niki Franke, Peter Teschemacher, Björn Lewerenz und Jörg Bleiholder die ersten vier Plätze.
Anschließend hieß es zunächst wieder warten, bis sich der anfangs noch sprunghafte und drehende Westwind stabilisierte. Danach gelang es dem Wettfahrtkomitee, noch drei sehr schöne Wettfahrten durchzuführen. Lediglich einmal war ein allgemeiner Rückruf erforderlich.
In der zweiten Wettfahrt kam es darauf an, die weiterhin häufigen Winddreher frühzeitig zu erkennen und konsequent zu nutzen. Das gelang Niki Franke am besten. Hinter ihm belegten Björn Lewerenz, Ulrich Schäfer und Jörg Bleiholder die nächsten Plätze.
In der dritten Wettfahrt setzten sich Björn Lewerenz und Jörg Bleiholder schnell vom Feld ab. Nur Wolfi Darchinger vom RMDSC und Christoph Quinger vom HSC konnten ihnen auf den Plätzen drei und vier einigermaßen folgen. Niki Franke, bis dahin mit zwei Wettfahrtsiegen, leistete sich mit Platz neun seinen späteren Streicher.
Damit musste die vierte und letzte Wettfahrt die Entscheidung bringen. Den Lewerenz-Brüdern gelang dabei ein souveräner Start-Ziel-Sieg. Nur Friedl Gehrke vom HSC konnte als Zweiter einigermaßen folgen. Niki Franke sicherte sich Platz drei, Jörg Bleiholder wurde Vierter.
Nach vier Wettfahrten und einem Streicher ergab sich an der Spitze folgende Gesamtwertung:
1. Björn, Michael und Per Johan Lewerenz (MRSV) – (3), 2, 1, 1 – 4 Punkte
2. Niki Franke, Sepp Hammerlindl, Katja Maurer (ASC) – 1, 1, (9), 3 – 5 Punkte
3. Jörg Bleiholder (DSC), Klaus Richter (HSC), Matrais Maskoet – (4), 4, 2, 4 – 10 Punkte
4. Friedl Gehrke, Jens Pokorny, Diana Hellmann (HSC) – 6, (12), 5, 2 – 13 Punkte
Die vollständigen Ergebnisse sind auf Manage2Sail zu finden.
Das Finalwochenende bei hochsommerlichem Wetter war in diesem Jahr allerdings noch nicht ganz der Abschluss der H-Boot-Ranglistensaison am Ammersee. Am 4. Oktober steht mit der „Eintagsfliege“ beim HSC noch eine weitere Eintagesregatta auf dem Programm.
Die Segler bedankten sich beim ASViM dafür, unter den schwierigen Windbedingungen ein sehr gelungenes Finale auf die Beine gestellt zu haben, und versprachen, 2027 wiederzukommen.
Ein großer Dank geht an den ASViM und das gesamte Organisationsteam für die hervorragende Durchführung der Regatta.
Ende Oktober folgt schließlich noch das legendäre Abschlussfest mit der Kürung des neuen Ammersee-Flottenmeisters 2026.
Christoph Quinger