Topfschlagen und Champagnersegeln am Ammersee
Sommerliches Topfschlagen und Champagnersegeln am Ammersee – souveräner Sieg für das Team um Andi Lachenschmid
Seit Jahren zeigt sich der Wettergott zur H-Boot-Regatta am Ammersee von seiner besten Seite – so auch zur 42. Thomas-Munk-Regatta beim Herrschinger Segelclub (HSC). Zunächst wurde nur leichter Wind vorhergesagt, doch am Ende entwickelten sich perfekte Segelbedingungen. Mit 32 gemeldeten Booten war es nach der Weltmeisterschaft am Traunsee die größte H-Boot-Regatta des Jahres.
Der HSC selbst besitzt 21 H-Boote, wovon 19 mit Clubmitgliedern an den Start gingen – ein Engagement, das in Deutschland wohl einzigartig ist. Besonders erwähnenswert: Alfred Stegbauer segelte mit stolzen 82 Jahren als ältester Teilnehmer mit, und eine reine Jugendmannschaft – zusammen jünger als mancher Steuermann – zeigte eindrucksvoll, wie es dem HSC immer wieder gelingt, die Boote mit Leben zu füllen.
Schon vor dem Start stellte sich die traditionelle Frage: Wer wird 2025 die Regatta gewinnen? Würde erneut ein Gast das Rennen machen – etwa der Vorjahressieger Peter Nürnberger vom Scharmützelsee, der amtierende Deutsche Meister Andi Lachenschmid, der am Ammersee seglerisch groß geworden ist, oder vielleicht der H-Boot-Präsident Christoph Zander aus Essen? Oder triumphiert dieses Mal ein Team vom Gastgeber HSC – mit Kandidaten wie Helmut Settele und Sandra Boschert – oder zumindest jemand vom Ammersee wie Jörg Bleiholder (DSC), Peter Teschemacher (DSC) oder Niki Franke (ASC)?
Tag 1 – Unbeständige Winde, schwierige Wettfahrten
Zur Steuerleutebesprechung wurden wie gewohnt Ehrungen vergeben: Externe Favoriten erhielten als „Handicap“ eine Flasche hochprozentigen Andechser Doppelbocks, und besonders junge oder alte Segler und Teams wurden mit Sonderpreisen bedacht.
Trotz optimistischer Vorhersage herrschte zunächst Flaute. Erst gegen 14:00 Uhr setzte leichter Nordwestwind ein. Doch die Bedingungen auf dem See blieben herausfordernd: drehende Winde, Windhosen und Flautenlöcher machten es der Wettfahrtleitung unter Erik Vetter nicht leicht.
Die erste Wettfahrt war durch viele Winddreher geprägt – letztlich gewann Christoph Zander, gefolgt von Niki Franke, Andi Lachenschmid, Helmut Settele, Stefan Freitag und Peter Teschemacher. Die zweite Wettfahrt war nicht minder chaotisch. Peter Teschemacher führte lange souverän, wurde jedoch kurz vor dem Ziel von Andi Lachenschmid und Peter Nürnberger abgefangen. Auf den Plätzen folgten Franke, Zander und Freitag.
An eine dritte Wettfahrt war nicht mehr zu denken, und so kehrte das Feld bei bestem Badewetter in den Hafen zurück. Ohne eigenes Clubhaus wich man zum Abendessen in den Biergarten des Bräuhauses aus. In geselliger Runde bei kühlem Bier und bayerischen Schmankerln wurden bis tief in die Nacht Strategien für den Sonntag geschmiedet.
Zwischenstand nach Tag 1:
Andi Lachenschmid – 4 Punkte
Christoph Zander – 6 Punkte
Niki Franke – 6 Punkte
Peter Teschemacher – 9 Punkte
5.–7. Peter Nürnberger, Helmut Settele, Stefan Freitag – je 11 Punkte
Tag 2 – Champagnersegeln bei Traumbedingungen
Am Sonntagmorgen herrschte zunächst Windstille, doch gegen 12:30 setzte ein kräftiger Westwind ein – mit Grundwind von 10–12 Knoten und Böen bis über 20. Perfekte Bedingungen für das sogenannte Champagnersegeln.
Nicht alle Boote überstanden die Bedingungen unbeschadet, doch drei Wettfahrten konnten erfolgreich gesegelt werden. Andi Lachenschmid dominierte die 3. und 4. Wettfahrt so souverän, dass er theoretisch auf die 5. hätte verzichten können – segelte aber dennoch mit und genoss seine Rückkehr auf den Heimatrevier.
In der 3. Wettfahrt folgten Zander, Nürnberger, Franke und Freitag. In der 4. belegten nach Lachenschmid die Boote von Freitag, Nürnberger, Bleiholder und Zander die Plätze. Die 5. Wettfahrt gewann schließlich Stefan Freitag, der sich damit noch den dritten Platz auf dem Treppchen sicherte. Es folgten Zander, Settele, Nürnberger und Franke.
Endergebnis (Top 6):
Andi Lachenschmid, Alexa Hausotter, Moritz Freiesleben (alle MYC) – 6 Punkte
Christoph Zander (ETUF), Isabel, Flynn und Marcel Barie (SASV) – 10 Punkte
Stefan Freitag (SVM), Bernd von Hörmann (CYC), Stefan Röttger (SCH) – 13 Punkte
Peter Nürnberger (SGS), Michael Lewerenz (MRSV) – 13 Punkte
Niki Franke, Sepp Hammerlindl, Sabine Gall (alle ASC) – 16 Punkte
Helmut Settele, Harry Beer, Marian Petersik (alle HSC) – 20 Punkte
Sonderpreise:
Frauenpreis für das beste Boot mit mindestens zwei Frauen an Bord: Katharina Darchinger und Hanni Pieper
Der vor 43 Jahren gestiftete Sonderpreis für den 15. Platz ging an Wolfi Darchinger
Das gesamte Ergebnis ist auf Manage2Sail einsehbar. Der Regional- und Ammersee-Obmann Christoph Quinger freute sich besonders, dass sich das derzeit beste deutsche H-Boot-Team um Andi Lachenschmid nun erstmals in die lange Siegerliste der Thomas-Munk-Regatta eintragen darf.
Nach einem Wochenende voller Topfschlagensegeln am Samstag und Champagnersegeln am Sonntag sowie einem stimmungsvollen Sommerambiente traten alle Teilnehmer gut gelaunt die Heimreise an – mit dem Versprechen: Wir kommen wieder.
Christoph Quinger