Travemünder Woche: Drei Tage Ostseesegeln
von Fritjoff Gehrke
Travemünder Woche: Drei Tage Ostseesegeln
Die Meldungen für die Regatta im Rahmen der Travemünder Woche trudelten sehr zögerlich ein, so dass lange gar nicht feststand, ob die einzige deutsche Seeregatta für die H-Boote überhaupt stattfinden würde. Zehn Boote traten letztlich an; genug, um zu starten, dem attraktiven Travemünder Revier wurde damit jedoch zu wenig Rechnung getragen. Schade, denn die Bedingungen waren optimal: Über die drei Tage (18.-20. Juli) verteilt gab es Wind zwischen 3 und gut 6 Bft, dazu etwa 1 m Welle und durchwachsenes, aber brauchbares Wetter – alles in allem eine sehr gute Vorbereitung auf das diesjährige WM-Revier von Stenungsund, Schweden.
Am ersten Tag wurden nur zwei Rennen gefahren. Die Wettfahrtleitung kämpfte einen aussichtslosen Kampf mit den Smart Marks, die sich fortwährend eigenständig über die Ostsee bewegten und für eigenwillige Kurse sorgten. So lagen die beiden Luv-Tonnen in der ersten Wettfahrt anfangs zu weit auseinander, so dass insgesamt eher ein alter olympischer Dreieckskurs entstand; im zweiten Rennen rückten alle Tonnen so dicht zusammen, dass der Kurs unübersichtlich wurde und sich kaum noch ordnungsgemäß absegeln ließ. Dieses Rennen müsste eigentlich als das kürzeste H-Boot-Rennen ever in die Geschichte eingehen: 15 Minuten dauerte der Spaß – und erinnerte an ein Race der Segel-Bundesliga.
Bei schwächerem Wind gelang das Auslegen der GPS-gesteuerten, selbstfahrenden Bahnmarken am zweiten Wettfahrttag deutlich besser. Drei spannende Rennen konnten gesegelt werden, wobei der Wind für Ostseeverhältnisse recht stark drehte, so dass im dicht zusammenliegenden Feld die Positionen oft wechselten.
Am dritten und letzten Regattatag bescherte das Startschiff die Überraschungen des Tages: Es ließ sich einfach nicht vor Anker legen, was möglicherweise mit der kurzen, steilen Welle knapp unter Land zusammenhing. Erst brach der Schäkel an der Ankerkette, und auch mit dem zweiten Anker, der nach längerer Wartezeit zur Verfügung stand, glückte keiner der weiteren Ankerversuche. Die Wettfahrtleitung brach daraufhin die Bemühungen, eine Startlinie aufzubauen, ab und schickte die Segler zum Kranen in den Hafen.
Bei der Siegerehrung auf Basis der fünf gesegelten Rennen standen dieselben Teams wie im Vorjahr auf dem Treppchen: Der 1. Platz ging an Holger Köhne (PYC), diesmal en famille mit Jan Köhne und Uwe Köhne, vom 3. auf den 2. Platz stiegen Andreas Krause (VSaW), Ansgar Schönborn und Thomas Drtina auf und den 3. Platz und damit die ehrenvolle Aufgabe der Regattachronisten übernahmen 2026 Jens Hanisch (PYC) mit Carsten Hanisch und Andreas Irngartinger.
Wir hoffen auf eine deutlich größere Beteiligung in der nächsten Saison, damit die letzte deutsche Ostsee-Klassenregatta fortbesteht!
Carsten Hanisch (GER 1683)
P. S.: Die Regionalgruppe Nordost bemüht sich für die Travemünder Woche 2027 (24.-26.7.) um ein attraktives Beiprogramm. Zudem bietet sich für Teilnehmende aus anderen Regionen an, sie im Paket mit dem vorangehenden Cocktail Cup (10./11.7.) in Berlin und der WM in Middelfart (Dänemark) wahrzunehmen, um lange Trailerfahrten zu vermeiden. Besonders die Travemünder Woche wäre sicher auch eine gute Vorbereitung für die WM. Sven Hansen